Wort zum zweiten Quartal 2018 (April bis Juni)

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Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,

in der letzten Zeit hörten wir eine Predigtreihe zum Thema RESILIENZ. Mich hat dabei Daniel 3 sehr berührt. Dort lesen wir in Vers 23, wie die drei Freunde Daniels gebunden in den Feuerofen geworfen wurden und ihnen auf wunderbare Weise, durch die Gegenwart GOTTES, im Feuer nichts passierte. Völlig unversehrt kamen sie heraus. Das Einzige, das in den Flammen verloren ging, waren ihre Fesseln. Die Frage kam auf, was uns fesselt oder gefangen hält. Sofort war mir gegenwärtig, was mich lange gefesselt hat: nämlich nicht gut genug vor GOTT zu sein!

Vor mehr als 10 Jahren kam unsere Oma in unsere Familie. Zuerst nur vorübergehend. Aber aus dem Zustand „vorübergehend” wurden endlose 6 Jahre. Ich kann sagen, dass es die Schwersten meines Lebens waren. Was mir immer so wichtig war, nämlich in meiner Gemeinde mitzuarbeiten, ging plötzlich nicht mehr. Durch ihre Demenz war unsere Oma so voller Angst, dass ich sie keine Minute mehr alleine lassen konnte. Vorbei war die Zeit im Chor, in der Jungschar, Gottesdienst nur alle 14 Tage im Wechsel mit meinem Mann; Begegnungen waren nur möglich, wenn liebe Menschen mich besuchten. Es gab sogar Leute aus der Gemeinde, die für mich einkaufen gingen. Mein Mann und ich hatten uns entschieden, für unsere Oma da zu sein, für sie zu sorgen, ihr ein neues Zuhause zu geben und dadurch auch Jesus zu dienen. Zumindest war das mein Bestreben! Aber wie schwer fiel mir das! Ich hatte das Gefühl, mich selbst aufzugeben – aus dem Leben gerissen zu sein. Nur noch Pflege Tag für Tag.

Ich verstand nicht, wieso mir der „Dienst” an unserer Oma so unsagbar schwer fiel. Ich bin doch Christ! Warum war das so eine große Last für mich? Warum konnte ich nicht mit Freude die Pflege tun? Ich fing an, an mir und meinem Glauben zu zweifeln. War mein Glaube fest und tief genug? Glaubte ich richtig? Wo war dann meine „Dienstbereitschaft?” In dieser Zeit habe ich sehr viel über mich, aber ganz besonders über GOTT gelernt und SEINE Liebe erfahren. ER war da! Durch Lieder, Predigten, liebe Menschen, Bibelverse zeigte mir GOTT, wie wertvoll ich für IHN bin – nicht weil ich so toll bin oder IHM so toll und wunderbar dienen würde, sondern einfach nur weil ich bin. GOTT schenkte mir die tiefe Gewissheit in mein Herz: ER liebt mich so wie ich bin, mit all meinen Ecken und Kanten. ER sprengte die „NICHT-ZU-GENÜGEN-FESSELN.” Er gab mir und meiner Familie 6 Jahre Kraft, unsere Oma bis zu ihrem Tod zu pflegen! Auszuhalten – Durchzuhalten! In aller Unvollkommenheit, aber mit dem Wissen: GOTT legt eine Last auf – aber ER hilft tragen und zu ertragen! Die Last war die gleiche! Aber das Wissen um GOTTES Liebe zu mir gab mir neue Kraft, für unsre Oma da zu sein.

GOTT kann und möchte uns von unseren Fesseln befreien, gerade dann wenn wir durchs Feuer gehen. Egal wie dieses Feuer aussieht: Schwere Situationen, Enttäuschung, Trauer, Wut, Schuld, Versagen. ER hat jeden Einzelnen im Blick und jedem gilt diese unaussprechliche Liebe, die uns von Fesseln befreien kann und möchte.

Ein befreites Leben in der Gewissheit von GOTT geliebt zu sein wünscht Ihnen/euch von Herzen

Dorle Galle

Mitglied der Ev. Christusgemeinde Schönenberg-Kbg.