Wort zum dritten Quartal (Juli bis Oktober)

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Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,

in den letzten Wochen beschäftigen uns als Gemeinde eine Vielzahl von Geschwistern, die schon länger krank sind oder plötzlich erkranken. Wir erleben Verzweiflung und Ratlosigkeit, aber auch Heilung und Trost. Wir haben in den letzten Monaten aber auch neue Erfahrungen mit einer Bibelstelle gemacht, die manche vielleicht noch nie gehört haben oder vielleicht nicht so ganz glauben konnten. Der Bibelvers steht in Jakobus 5, 13-16:

„Leidet jemand unter euch, der bete; ist jemand guten Mutes, der singe Psalmen. Ist jemand unter euch krank, der rufe zu sich die Ältesten der Gemeinde, dass sie über ihm beten und ihn salben mit Öl in dem Namen des Herrn. Und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen und der Herr wird ihn aufrichten; und wenn er Sünden getan hat, wird ihm vergeben werden. Bekennt also einander eure Sünden und betet füreinander, dass ihr gesund werdet. Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist.”

Wenn die Heizung ausfällt, ruft man den Heizungsmonteur. Streikt die Waschmaschine, ruft man den Kundendienst. Bei einer Autopanne hilft der ADAC. Man muss sich immer an die richtige Stelle wenden. Alles hat seine Ordnung. Und: „Ist jemand krank, rufe er die Ältesten zu sich!” Tun wir aber nicht. Bei der Heizung brauchen wir Hilfe. Beim Auto auch. Uns selber kriegen wir schon selber hin, meinen wir. Oder wie oft haben Sie erlebt, dass jemand zu Ihnen kommt und sagt „Bete mal für mich!”? Oder: Was müsste passieren, bis du jemanden bittest, in einer Not über dir zu beten?

Wie viel Nähe und Vertrauen muss es in der Gemeinde gegeben haben, an die Jakobus schreibt! Wie offen und vertrauensvoll müssen die Christen dort gewesen sein? Andere bitten, dass sie über einem beten und sogar seine Sünden vor anderen bekennen. Aber was ist hier gemeint mit dem Ältestengebet?

1. Der Kranke soll rufen

Er hat die Initiative. Der Kranke bleibt in Verantwortung für sich selbst. Ebenso wie er verantwortlich ist, zum Arzt zu gehen, genau so ist der Kranke verantwortlich, die Ältesten zu rufen. Manche Krankenbesuche bringen vielleicht darum nicht viel, weil die Kranken gar nicht darum gebeten haben. Sie haben sich nicht überlegt, worüber sie sprechen wollen oder müssen und wofür gebetet werden soll. Und dann bleibt es bei Höflichkeitsbesuchen bei Kaffee und Kuchen. Wenn die Ältesten gerufen werden, ist die Situation gleich klarer: Warum sollen sie kommen? Was soll angesprochen oder ausgesprochen werden? Wofür sollen sie beten?

2. Die Ältesten beten und salben ihn mit Öl

Das Öl ist kein Trick, kein Wundermittel. Die wohlriechenden Öle sollen zunächst einmal eine Wohltat sein, ein spürbarer Trost, ein Luxus, denn diese Öle waren teuer. Das Öl ist aber in erster Linie ein Zeichen, von wem man Hilfe erwartet. Das Öl weist auf Christus hin: Den Gesalbten. Der Beter, der Älteste, er weist damit von sich weg. Nicht er ist hier entscheidend, sondern Christus soll den Kranken berühren. Der Kranke soll mit Öl „im Namen des Herrn” gesalbt werden! Was Inhalt des Gebetes ist, lässt Jakobus offen. Das muss die Situation zeigen, das ergibt sich aus dem Gespräch und aus den Bitten des Kranken.

3. Das vertrauensvolle Gebet wird dem Kranken helfen und ihn aufrichten

Das Wort, das Luther mit helfen übersetzt hat, kann auch mit retten oder heilen übersetzt werden (sozo). Es hat den gleichen Wortstamm wie Heiland oder Retter (sotär). Auch dieses Wort weist auf Christus hin. Die Ältesten beten und salben mit Öl. Christus wird sich an den Kranken als ihr Heiland zeigen! Das ist die Verheißung. Das Wort, das Luther mit aufrichten übersetzt hat, ist auch ein sehr allgemeines Wort. Der Herr wird ihn aufrichten kann bedeuten, dass jemand neue Kraft bekommt, dass jemand Christus auf seinem schweren Weg wieder sehen kann, dass jemand Frieden bekommt, seinen Weg wieder annehmen kann, dass jemand wieder aufstehen kann.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie die Kraft des Gebets erleben können und wir als Gemeinde diesen Bibelvers immer wieder neu entdecken.

Markus Haack

Gemeindereferent der Evangelischen Christusgemeinde Schönenberg