Wort zum vierten Quartal 2018 (Nov – Jan)

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Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,

dieser Sommer war für manche märchenhaft (Eisverkäufer, Freibäder, Weinbauern…), für andere besorgniserregend (brennende Wälder, verdorrte Landschaften, ausgetrocknete Flüsse uvm.). Der Begriff „Sommermärchen“ tauchte 2006 im Zusammenhang mit der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland auf. Es war ein warmer, sonniger Sommer; Deutschland wurde Weltmeister der Herzen. Bei den Fan-Festen wurde der Welt ein einladendes, weltoffenes, heiteres Deutschland gezeigt. Zur Zeit fühlt es sich eher an wie in „Deutschland, ein Wintermärchen.“ Heinrich Heine ist be- sorgt wegen reaktionärer Bestrebungen seines Heimatlandes. Welches „Herbstmärchen“ werden wir erleben? Zur Zeit scheint es so: Wer mehr Menschen auf die Straße bringt und lauter schreit, der hat die Meinungshoheit. Sämtliche Re- geln des miteinander reden, diskutieren, Argumente gemeinsam bewegen und zuhören scheinen ins Museum gesperrt. Wir erleben, dass Kräfte freiwerden und aufbrechen, von denen man meinte, sie überwunden oder in eine Nische gedrängt zu haben. Und wir entdecken, dass die freiheitlich-demokratische Grundordnung nichts naturgegebenes ist. Es bleibt immer neu umkämpft. Leider vermitteln unsere Volksvertreter kein rühmliches Bild (zumindest, was durch die Medien transportiert wird). Sie wirken getrieben, nur noch reagierend statt agierend und vorausschauend handelnd für die Zukunft. Wo sind die kühlen Köpfe, die ihre Worte wägen, ehrlich bleiben, von wert- vollen Werten geleitet? Und wirklich das Wohl des Volkes im Blick haben?

Warum beschreibe ich dies in einem christlichen Gemeindebrief-Vorwort? Ich ertappe mich – mehr als mir lieb ist – da- bei, mich zu ärgern, zu schimpfen oder den Kopf zu schütteln über die genannten Umstände. Im Sinne von „Dampf ablassen“ mag das hier und da angebracht sein, aber wie ist es mit meinem, unserem christlichen Auftrag, die Hände zu falten? „Mach aus Sorgen ein Gebet“ heißt es in einem Lied. Paulus schreibt an den jungen Gemeindeleiter Timotheus:

„Meine erste Bitte: Für alle Menschen sollt ihr bitten, beten, flehen und Gott danken. Betet für die Könige und alle, die Macht und Verantwortung haben, dass unser Leben in eine Friedenszeit fallen möge, in der wir frei sind von Angst und keiner uns verbietet, an Gott zu glauben und ihn allein anzubeten.“ (1.Tim. 2,1.2)

Paulus schreibt zusätzlich in seinem Römerbrief (Kapitel 13) von der Aufgabe eines Staates aus Gottes Blickwinkel. Nehme ich beides zusammen, dann wird mir deutlich, dass neben Petitionen, friedvollen Demonstrationen, Bürgerbewegungen oder Kontakten zu einem Landtagsabgeordneten, „das Händefalten“ so entscheidend ist. Gerne auch zu zweit oder zu dritt. Das Gebet ist ein starkes Mittel der positiven Einflussnahme. Unterschätzen wir das Gebet? Überschätzen wir die Macht der Menschen? Oder verschätzen wir uns, weil wir zumeist nur für‘s engste, eigene bitten? Bewegen Sie gerne einmal diese Fragen. Eine Ermutigung dazu aus dem Jakobusbrief (Kapitel 5):

„Das Gebet eines Gerechten kann vieles bewirken.“

Herzlichst Ihr/euer

Jürgen Kizler

Pastor der Evangelischen Christusgemeinde Schönenberg-Kübelberg